Aufzüge gehören zu den sicherheitskritischsten Anwendungen in der Gebäudetechnik. Jeden Tag transportieren sie Millionen von Menschen – und Sicherheitsschalter spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie überwachen Schachttüren, Kabinenpositionen und Wartungszugänge und sorgen dafür, dass der Aufzug nur dann fährt, wenn alle Sicherheitsbedingungen erfüllt sind. In diesem Ratgeber von AOI Now erfahren Sie, welche Sicherheitsschalter in der Aufzugstechnik eingesetzt werden, welche Normen gelten und worauf Sie bei der Auswahl achten müssen.
Warum sind Sicherheitsschalter im Aufzug so wichtig?
Ein Aufzug darf sich nur bewegen, wenn alle Schacht- und Kabinentüren vollständig geschlossen und verriegelt sind. Sicherheitsschalter überwachen genau diesen Zustand. Bei einer Störung – etwa einer nicht richtig geschlossenen Tür – unterbrechen sie sofort den Sicherheitskreis und stoppen den Aufzug. Ohne zuverlässige Sicherheitsschalter wäre der Aufzugsbetrieb lebensgefährlich.
Typische Überwachungspunkte im Aufzug
- Schachttüren – Jede Etage hat eine Schachttür, deren Schließ- und Verriegelungszustand überwacht werden muss
- Kabinentür – Die Tür der Aufzugskabine selbst
- Endlagen – Oberste und unterste Position der Kabine im Schacht (Überfahrschutz)
- Schachtgrube – Wartungszugang für Techniker, muss bei Betreten den Aufzug stoppen
- Maschinenraum – Zugangskontrolle und Not-Halt
- Fangvorrichtung – Überwachung der mechanischen Sicherheitseinrichtung bei Seilbruch
Relevante Normen und Vorschriften
Die Aufzugstechnik unterliegt strengen internationalen und europäischen Normen. Für Sicherheitsschalter sind insbesondere folgende Regelwerke relevant:
EN 81-20 / EN 81-50
Die europäische Aufzugsnorm definiert die Sicherheitsanforderungen für Personen- und Lastenaufzüge. Sie schreibt unter anderem vor, dass Schachttürverriegelungen überwacht werden müssen und der Sicherheitskreis bei offener Tür unterbrochen sein muss.
ISO 13849 (Performance Level)
Diese Norm definiert die Sicherheitsintegrität von Steuerungssystemen. Für Aufzugsanwendungen wird typischerweise Performance Level d oder e gefordert – das höchste Sicherheitsniveau. Die verwendeten Sicherheitsschalter müssen entsprechend zertifiziert sein.
IEC 62061 (SIL)
Das Safety Integrity Level (SIL) ist ein alternatives Bewertungssystem. Für Aufzugs-Sicherheitskreise wird häufig SIL 3 gefordert. Sowohl PL e als auch SIL 3 stellen die höchsten Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Sicherheitskomponenten.
EN 60947-5-1
Diese Norm regelt die Anforderungen an elektromechanische Schaltgeräte, insbesondere die Zwangsöffnung von Kontakten. In Sicherheitsanwendungen ist es entscheidend, dass der Öffner-Kontakt (NC) auch bei verschweißten Kontakten mechanisch geöffnet wird.
Welche Sicherheitsschalter-Technologien gibt es?
1. Elektromechanische Sicherheitsschalter
Der klassische Ansatz: Ein mechanischer Schlüssel oder Betätiger aktiviert den Schalter direkt. Vorteile sind bewährte Technik und positive Zwangsöffnung. Nachteil: Mechanischer Verschleiß und begrenzte Manipulationssicherheit.
Telemecanique-Serien: XCKJ und XCKM mit Sicherheitskontakten eignen sich für einfache Positionsüberwachungen in der Aufzugstechnik, z.B. Endlagen und Schachtgrubenschalter.
2. Magnetische Sicherheitsschalter
Berührungslose Auslösung durch einen Magnetbetätiger. Der Schalter erkennt das Magnetfeld und schaltet. Vorteil: Kein mechanischer Verschleiß, höhere Lebensdauer. Nachteil: Können mit externen Magneten überbrückt werden (geringere Manipulationssicherheit).
Telemecanique-Serie: XCSDM-Serie – kompakte magnetische Sicherheitsschalter mit codiertem oder Standard-Magnetbetätiger.
3. RFID-codierte Sicherheitsschalter
Die modernste Technologie: Jeder Betätiger hat einen einzigartigen RFID-Code, den nur der zugehörige Schalter erkennt. Manipulation ist praktisch ausgeschlossen – ein externer Magnet oder ein fremder Betätiger kann den Schalter nicht auslösen.
Telemecanique-Serien: XCSE und XCSR – RFID-codierte Sicherheitsschalter der Preventa-Reihe. Diese bieten die höchste Manipulationssicherheit und erreichen PL e / SIL 3.
Vergleich der Technologien für Aufzugsanwendungen
| Eigenschaft | Elektromechanisch | Magnetisch | RFID-codiert |
|---|---|---|---|
| Manipulationssicherheit | Mittel | Mittel bis Hoch | Sehr Hoch |
| Verschleiß | Mechanisch | Verschleißfrei | Verschleißfrei |
| Sicherheitslevel | Bis PL d | Bis PL e / SIL 3 | Bis PL e / SIL 3 |
| Montage | Kontaktbetätigung | Berührungslos, 8-15mm | Berührungslos, 8-12mm |
| Codierung | Keine | Standard oder codiert | Einzigartig (RFID) |
| Empfehlung Aufzug | Endlagen, Schachtgrube | Einfache Türüberwachung | Schachttür-Verriegelung |
Praxisempfehlungen für die Aufzugstechnik
Schachttürüberwachung
Die Schachttür ist der kritischste Punkt. Hier empfehlen wir RFID-codierte Sicherheitsschalter (XCSE oder XCSR), da sie die höchste Manipulationssicherheit bieten. Die einzigartige RFID-Codierung stellt sicher, dass nur der zugehörige Betätiger den Schalter auslösen kann – ein entscheidender Vorteil bei öffentlich zugänglichen Aufzügen.
Kabinentür
Für die Kabinentür eignen sich magnetische Sicherheitsschalter (XCSDM-Serie). Die berührungslose Auslösung ist verschleißfrei und kommt mit den häufigen Schaltzyklen einer Aufzugstür problemlos zurecht.
Endlagenschalter
Für die Endlagenüberwachung (oberste und unterste Position) werden klassische Endschalter der Serien XCKJ oder XCMD eingesetzt. Die XCMD-Serie ist in der Aufzugstechnik besonders beliebt, da sie sehr kompakt ist und in den begrenzten Schachtraum passt.
Schachtgrube und Maschinenraum
Wartungszugänge zur Schachtgrube und zum Maschinenraum benötigen einen Not-Halt-Schalter sowie einen Positionsschalter, der den Aufzug bei Betreten stoppt. Ein XCKJ-Endschalter mit Sicherheitskontakt ist hier die Standard-Lösung.
Wichtige Auswahlkriterien
- Sicherheitslevel prüfen – Welches PL oder SIL fordert Ihre Risikobeurteilung? Für Schachttüren typischerweise PL e / SIL 3.
- Manipulationssicherheit bewerten – Öffentlich zugänglich? → RFID. Nur für Techniker zugänglich? → Magnetisch oder elektromechanisch ausreichend.
- Einbauraum berücksichtigen – Im Aufzugsschacht ist Platz begrenzt. Kompakte Bauformen (XCSE, XCSDM) haben Vorteile.
- Schaltzyklen kalkulieren – Eine Aufzugstür öffnet und schließt hunderte Male am Tag. Berührungslose Schalter (magnetisch, RFID) sind hier langlebiger als elektromechanische.
- Anschlussart wählen – M12-Steckverbinder ermöglichen schnellen Austausch bei Wartung. Kabelversionen sind günstiger, aber aufwendiger zu tauschen.
Häufig gestellte Fragen
Müssen alle Sicherheitsschalter im Aufzug RFID-codiert sein?
Nein. Die Norm fordert eine angemessene Manipulationssicherheit, die von der Risikobeurteilung abhängt. RFID-codierte Schalter bieten die höchste Sicherheit und werden für Schachttüren empfohlen. Für Endlagen und Wartungszugänge reichen oft elektromechanische Endschalter mit Zwangsöffnung.
Wie oft müssen Sicherheitsschalter im Aufzug geprüft werden?
Die Prüfintervalle richten sich nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den Herstellerangaben. Typischerweise erfolgt eine Prüfung im Rahmen der regelmäßigen Aufzugsinspektion – in Deutschland alle 2 Jahre durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS).
Kann ich bestehende magnetische Schalter durch RFID-Schalter ersetzen?
In den meisten Fällen ja. Die XCSE-Serie von Telemecanique Sensors ist so konstruiert, dass sie mit minimalen Anpassungen bestehende Sicherheitsschalter ersetzen kann. Die Montagemaße sind oft kompatibel. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Prüfung Ihrer Einbausituation.
Sicherheitsschalter für Aufzüge bei AOI Now
AOI Now ist offiziell zertifizierter Distributor für Telemecanique Sensors und bietet das komplette Sortiment an Sicherheitsschaltern für die Aufzugstechnik:
- RFID-codierte Sicherheitsschalter (XCSE, XCSR)
- Magnetische Sicherheitsschalter (XCSDM)
- Endschalter für Endlagen und Schachtgrube (XCKJ, XCMD)
- Not-Aus-Schalter für Maschinenraum
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